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Chile- Der kleine Süden. Reiseimpressionen aus Oktober /November 2001 21.10.2001: Abreise Düsseldorf und Ankunft Santiago de Chile Um 01:45 Uhr rappelt der Wecker. Auf geht's nach Santiago . Ab jetzt 30 Stunden nonstop auf den Beinen. Air France Zubringer in Düsseldorf leicht verspätet, aber sonst OK und das Personal freundlich. In Paris sind die Sicherheitsbestimmungen nach den USA Attentaten verschärft, aber zu ertragen. Im Flieger sitzen wir dann aber völlig unnötigerweise 1,5 Stunden rum und warten auf irgendwas. Erklärung gibt's leider keine. Der Flug nach Santiago ist problemlos. Air France diesmal mit freundlichem Personal und gutem und ausreichendem Essen. Gegen 21:40 Ortszeit landen wir nach insgesamt 16 Stunden Flug in Santiago de Chile. Nur leider unsere Rucksäcke nicht. Nach 45 Minuten vergeblichem Warten am Band ahnen wir und wohl weitere ca. 50 Reisende aus Europa, das das Gepäck wohl nicht mitgekommen ist. Und richtig. Die verspätete Ansage bittet uns zu einem Schalter. Aha, alles durch eine technische Panne in Paris liegengeblieben. In drei Tagen kommt unser Gepäck nach. Wir hören erste laute Proteste im europäischem Sprachengewirr. Aber was soll die Aufregung. Ist nicht mehr zu ändern. Eine nette Senora verteilt an die Frauen Hygienepakete.( Zahnbürste, Zahnpasta, T-Shirt, Binden, Seife....) Alles was Frau kurzfristig so braucht. Männer gehen leer aus; müssen dreckig ins Bett. Tja und dann gibt's noch die Info , am nächsten Morgen zum Air France Büro dackeln und einen Scheck abholen, so quasi als Entschädigung oder um sich kurzfristig mit Klamotten einzudecken. Wir eilen jetzt aber schnell per Bus und Taxi in das uns so vertraute und stets gleich gute City Hotel, in unmittelbarer Umgebung des Plaza de Armas. Ü/F für 29 Dollar für beide zusammen wohlgemerkt. Preis/Leistung super wie immer. An der Rezeption ein freundlicher Empfang. Man kennt uns schon. Das Zimmer wie immer sauber, gepflegt, etwas altmodisch und sehr geräumig. Birgit testet das Air France Hygienepaket und gibt mir auch etwas Zahnpasta ab. Danach schlafen wir fest. 22.10.2001 Santiago. Der Air France Entschädigungsscheck, der Unterhosenkauf und der alte Stadtteil Vega im Herzen Santiagos Wie gewohnt wecken uns morgens
um 06:00 Uhr im City Hotel die ersten Busse, die durch die Compania donnern. Nach dem
Frühstück kämpfen wir uns per U-Bahn zum Air France Büro, das doch sehr weit
ausserhalb liegt. Uns erwarten bereits etliche Mitleidende, die zunächst
geduldig von einer Sachbearbeiterin abgefertigt werden. Als sich das ganze dann
aber zu einer Tagesveranstaltung auswächst, wird unter Protest der
Personaleinsatz erhöht. Jeder kriegt 110 Dollar. Bei dem Dollarkurs also etwa
240,00 DM. Also ab zum shoppen. T-Shirts, Unterhosen, Socken, Shampoo. Jeder von
uns gibt ca. 20 Dollar aus. Bleiben knapp 100 Dollar übrig. Ein gutes
Geschäft, aber viel Rennerei und Unterhosenkauf in Santiago ist auch nicht grad
die reinste Freude, denn entgegen dem sonstigen chilenischen Chic gibt`s hier
viel Feinripp(*grr*).Nachmittags ein Abstecher in das uns bislang verborgen
gebliebene Santiago, den alten Stadtteil Vega. Hier leben die armen Leute
Santiagos in einem der ursprünglichsten Viertel. Häuser mit wundervollen
Fassaden wechseln sich ab mit runtergekommenen Bruchbuden. Und rundherum ist
überall Markt. Jeder verkauft irgendwas, um zu überleben. Wir sprechen mit
einem der
"Dorfältesten", der uns die Geschichte des Stadtteils erzählt. Über
das ungewohnte Interesse der Gringos überrascht, erhält Birgit einen Handkuss,
mit der Bemerkung, dass es ihm eine Ehre sei, einer Senora etwas über das Leben
der einfachen Leute in Santiago zu erzählen. Abends sind wir nach dem Essen in der
Bar des City Hotels. Hier ist alles offensichtlich wie vor 50 Jahren. Das
Ambiente stilvoll, die Ober korrekt. Wir bestellen zwei Pisco Sour, unser
Lieblingsgetränk. Wir sind die einzigen Gäste heute und auch die nächsten
Tage. Erst am Ende unseres Trips zwei Wochen später erwacht die Bar zu altem
Glanz und ist wieder bevölkert. Also wer Bars mit Ambiente liebt, ab zur
Compania, Nähe Plaza de Armas, Bar City Hotel. 23.10.2001: Die vergessenen Fischer von Horcon Da
wir noch auf unser Gepäck warten müssen, verzögert sich unser Trip in
Richtung Süden und so starten wir einen Ausflug nach Horcon. Den kleinen
Fischerort haben wir in einer Broschüre in Santiago entdeckt. Ca. drei Stunden
mit dem Bus Richtung Meer nach Norden über Vina del Mar und Valparaiso. Nicht
grad schön die Anreise durch die Zentren oberhalb Santiagos. Später hässliche
Industrieanlagen in einer unattraktiven Landschaft. Oh, je das war wohl nix.
Aber schliesslich unvermittelt, führt die Strasse steil bergab. Offensichtlich geht's
jetzt zum Meer runter. Ein kleines Fischerörtchen taucht auf. Horcon. Oh
Mann, hier ist ja der Hund verfroren. Einige wenige völlig planlos
hochgezogene Touristenhochhäuser abseits des Ortes künden davon, dass hier in der
Hochsaison mehr los ist. Der
Ort selbst: Kleine
Fischerhäuschen mit einem etwas morbiden Charme. Unten am Strand ist alles voller Fischer. Die Frauen produzieren Netze, die Männer sind auf Booten
draussen oder kommen grade wieder. Die Boote werden , und das ist absolut
unglaublich, von einem Pferdegespann aus seichtem Wasser mit 2 PS an Land
gezogen. Hier
müssen wir einen Tag bleiben, Birgit kundschaftet eine Unterkunft für 10 Dollar
aus,
etwas muffig, aber sauber und genialer Blick aufs Meer. Ein Spaziergang entlang
der Promenade bei herrlichem Wetter. Absolut nix los, aber der Ort hat was .
Ganz schwer zu vermitteln. Wir setzen uns auf einen Stein an der Promenade. Es
gibt einige Verrückte hier, das ist unzweifelhaft, aber woanders gibts die
auch. Abend gibt's frischen Fisch
im Restaurant St. Clara. Super Blick aufs Meer. Anschliessend noch im Hellen ab ins Bett,
bisschen unheimlich ist hier alles. 25.10.2001
Santiago/ Unbekannte Stadtteile/ Abreise nach Temuco 26.10.2001:
Temuco/Preisvergleiche lohnen sich/ Der Indiomarkt 27.10.2201: Curacautin/ Malalcahuello Vom
Terminal Rural in Temuco sind es 1,5 Stunden mit dem Bus nach Curacautin. Ein nettes Örtchen auf ca. 400m.
Man sieht schon die Berge und Vulkane der Seenregion , aber zum wandern oder radeln ist das
ganze noch zu weit weg. Also steigen wir in einen anderen Bus und fahren weitere
45 Minuten Richtung Malalcahuello. Hier in unmittelbarer Nähe des 3000 m hohen
Volcan Lonquimay auf ca. 1000 m Höhe gibt es Idylle pur. Wir bekommen unser
Privat Hotel, das in der Saison Hotel und Restaurant zugleich ist, jetzt aber
vollkommen ausgestorben ist. Ein Holzhaus, in dem man jeden Schritt hört, aber
wir sind ja allein und 8 Dollar zusammen ist auch nicht viel. Der Ort liegt in
einem Tal: Rundherum die Berge und der Vulkan Lonquimay. Wunderschön idyllisch: Wir
erkunden den kleinen Ort mit 400 Einwohnern schnell und finden auch postwendend
den örtlichen "Supermercado", um uns für die nächsten zwei Tage
für unser Privat Hotel mit dem nötigsten Lebensmitteln einzudecken. Der Laden
mit der alten Besitzerin hat den Charme eines richtigen "Tante Emma"
Ladens. Ein
traumhafter Tag. Etwa 20 Grad, strahlendblauer Himmel. Zu unser Überraschung
haben die Eltern unserer Vermieterin zwei Mountainbikes, die wir für 5 Dollar
pro Stück leihen können. Nix dolles, aber verkehrs- und bergetaugglich. Wir
fahren zunächst bergab Richtung Curacautin. Erstes Ziel die Wasserfälle von
"Salto de la Princesa". Nicht ganz so spektakulär , aber auf dem Weg
dorthin gibt es bereits einige attraktive Photomotive. Weiter
geht es auf der Strecke Richtung Manzana zu dem gleichnamigen Hotel mit den
Thermalquellen. Wer einige Dollar übrig hat, kann hier in waldreicher Umgebung
einen Tag total relaxen. Wie gesagt, 90 Dollar einstecken. Es geht nun immer
steiler bergab Richtung Curacautin bis zu den Wasserfällen "Salto del
India". Ein riesiger spektakulärer Wasserfall mit einem schönen Wanderweg
für 500 Peseten. das ist OK. Nach Curacautin sind s doch noch 14 km und so
entschliessen wir uns mittags gegen 13 Uhr zur Rückfahrt. Nun geht es aber zur Sache. Steil bergauf. So richtig was für Bergziegen. Gute zwei Stunden brauchen
wir für die 15 km zurück und dabei sind mal eben 600 Höhenmeter zu
überwinden. Kaputt, aber total begeistert landen wir wieder in Malacahuello.
Pünktlich zum späten Nachmittag dann auch ordentliche Regenschauer. Uns störte
es nicht. Das Wetter wird bei 23 Grad und Sonne immer besser. Wir wollen aber weiter Richtung Kordilleren nach Lonquimay durch den längsten Tunnel Südamerikas, den Las Raices, knapp 4,5 km lang. Eine Röhre, wie sie in Europa wohl nicht einmal zur Kanalisation genutzt würde. Kein Licht, nicht asphaltiert, das Schmelzwasser tropft von oben eine Fahrrinne, in die der Bus so grade reinpasst. Ich muss gestehen, dass wir sehr froh waren, nach etwa 11 Minuten da raus zu sein. Unglaublich. In Lonquimay dann die Info, dass der Pass Richtung Mellipeuco über Icalma jahreszeitbedingt noch für Busse gesperrt ist. Das ist schade. Also wieder zurück und wieder durch den Tunnel (oh gott). Über Mallalcahuello nach Temuco, schnell umsteigen in den Bus nach Mellipeuco. Alles etwas zeitaufwendig, insgesamt brauchen wir für ca. 30 km Luftlinie am Ende knappe 9 Stunden, aber nicht zu ändern. Richtung Mellipeuco rückt der Volacan LLaima immer näher. Ein gewaltiger 3000er. Mellipeuco liegt wunderschön , umgeben vom LLaima und anderen Bergen. Am frühen Abend kriegen wir eine Super Unterkunft. Hosteria HueTelen ziemlich am Ortsanfang für 20 Dollar. Geräumige Cabana mit Ofen, super sauber. Das Essen in der Anlage kocht die Senora selbst. Wir sind die einzigen Gäste jetzt noch und so kriegen wir unser phantastisches Abendessen exklusiv am Kamin zu einem supergünstigen Preis serviert. 30.10.2001: Mellipeuco /Parque Conguillio Was
für ein perfekter Tag. Viel beschworen. Selten erlebt. Es ist 25 Grad warm, den
ganzen Tag sonnig. Das Frühstück bei der Senora am Kamin ist genial. Wir
machen mit Hector eine Tagestour im Jeep in den Conguillio Nationalpark. Ca. 25
km sind das durch eine verwegne Piste. Immer entlang dem mächtigen Volcan
LLaima gelangen wir zunächst zur Laguna Verde und später zu der spektakulären
Laguna "Arco Iris", die mit phantastischen Farben jeden Photofreund erfreut. Die
ca. 2stündige Anfahrt endet dann zunächst am Lago Coguillio. Hier lässt uns
Hector raus und wir starten eine dreistündige wunderschöne Wanderung in die
Berge bis zur Schneegrenze. Unterwegs gnadenlos schöne Aussichtspunkte auf den
See, den Vulkan und den Nationalpark. Ein sehr anstrengender Tag. Es ist sonnig, 25 Grad warm, aber im Bus hat man nicht viel von. Insgesamt 7 Stunden Busfahrt mit kurzem Umsteigestopp in Temuco. Zuletzt viel Autobahn und wir kommen gut voran. Osorno ist eine erstaunlich quirlige Stadt und mit deutlich mehr Flair als Temuco. Es ist alles sehr geballt und auch laut , aber nicht unangenehm. Wir finden nur mit Mühe in der Nähe des Terminals eine Unterkunft. Bei Heins für 14.000 Pts. also etwa 20 Dollar. Minizimmer, aber sehr sauber, gute Dusche, gutes Bett. Die Besitzer mit deutschen Vorfahren, wie ganz viele hier. Wir finden sogar noch eine Wäscherei. Schweizer, die uns die Klamotten bis zum nächsten Tag (Allerheiligen) für einen ordentlichen, aber verständlichen Aufschlag reinigen. 01.11.2001: Osorno Diese
deutschstämmigen Chilenen haben in der Stadt noch zahlreiche andere Spuren
hinterlassen. So z.b. die Grossfamilie Stückrath , die in der Zeit um 1860 hier
in Osorno einige prächtige Villen erbaute, die heute z.Teil sehr gut erhalten,
u.a. als italienische Pizzeria fungieren. 02.11.2001:
Osorno-Frutilliar- Puerto Varas Hier
erstmals während unserer Tour so was wie ein grösseres Touri Aufkommen. Rentner
aus Amiland und Australien knipsen hier ebenfalls heftig. Anschliessend
wandern wir entlang der Stromschnellen 6 km die Schotterpiste bis zu
dem malerischen Lago Todos del Santos. Hier geht's dann auch nur noch mit dem
Boot weiter Richtung argentinische Grenze, die von hier nur noch einen
Katzensprung entfernt ist. Abends beginnt es zu schütten und unsere weise Gastgeberin mahnt uns, für den nächsten Tag hier nichts zu planen, denn es soll weiterhin feste regnen. Ein Klassetip, wie sich am nächsten, total verregneten Morgen herausstellt und so planen wir erneut kurzfristig, unsere letzten zwei Tage auf der Insel Chiloe zu verbringen. 05.11.2001:
Fahrt über Puerto Varas und Puerto Montt nach Chiloe (Castro)
Hier muss man nicht unbedingt gewesen sein. Zurück in Castro geniessen wir auf dem sonnendurchfluteten Plaza das herrliche Wetter. Abends essen wir im Restaurant Palafito, direkt am Meer. Also hier allenfalls unterer Durchschnitt, sicher nicht zu empfehlen.
Irgendwie ist die Luft raus. Wir hängen nur noch auf der Plaza ab, lassen es uns gut gehen und geniessen den Tag. Gegessen haben wir in der Nähe des Plazas häufig in eine der unzähligen kleinen Fressbuden. Die Pizzeria Nicolas, in der es auch Hühnchenbrustfilet mit Pommes und Avocadosalat für wenig Geld gab, hat uns mit Abstand am besten gefallen. Abends dann unser klassischer Tagesausklang in der guten alten Bar des City Hotels. Endlich wieder Hochbetrieb, aber unser Tisch ist noch frei und so geniessen wir die urige Atmosphäre bei etlichen Pisco Sour.
Ende
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