Chile-Sued    

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Reisebericht.

Chile, den kleinen Süden besuchte ich mit Birgit 3 Wochen im Oktober/November 2001. 

Ja, in Chile waren wir nun schon des öfteren. Birgit hat von Arica hoch im Norden bis Punta  Arenas ganz im Süden dieses knapp 5000 km lange Land ausgiebig erkundet. Ich war noch gar nicht im Süden, also einigten wir uns auf den kleinen Süden, mit der Seen- und Vulkanregion rund um Temuco, über Osorno nach Puerto Varas, die Vulkanregion Salto de Petrohue bis an den Anfang der Caretera ins wunderschöne Cochamo. Abschliessend die diesmal überraschend sonnige Insel Chiloe, die so ganz anders ist als das übrige chilenische Festland. Aber um das alles zu erreichen, steht ein langer Flug an. Und Fliegen ist  nach dem 11. September nicht unbedingt angenehmer geworden.

Die Fakten:

Fläche:                        756626 qkm
Bevölkerung:                 14,21 Millionen
Pro Kopf-Einkommen:      3520 US $
Hauptstadt:                  Santiago de Chile
Staatsform:                  Präsidialrepublik
Sprache:                      Spanisch
Währung:                     1 Chilenischer Peso= 100 Centavos

Naturraum:
Mit einer Länge von 4230 km und einer durchschnittlichen Breite von 176 km zieht sich das Land an der Westküste Südamerikas entlang. Die nördliche Wüstenzone gehört zu den trockensten Gegenden der Erde, die Halbwüste ist nur durch künstliche Bewässerung landwirtschaftlich nutzbar; in Mittelchile zwischen Illapel und Conception konzentrieren sich die wichtigsten Städte. Südlich davon befindet sich eine Seenplatte. Die grossen Waldflächen des Südens weisen hohe Niederschläge und kaltes Klima auf.

Politik:
1544 von den Spaniern erobert, wurde Chile 1818 nach langen Kämpfen unabhängig. Die folgenden Jahrzehnte waren durch Auseinandersetzungen zwischen Grossgrundbesitzern und der arbeitenden Bevölkerung geprägt.  Nach dem Sturz des sozialistischen Präsidenten Allende 1974 übernahm ein Militärregime unter General Pinochet die Macht, dessen politisches Erbe seit Beginn des Demokratisierungsprozesses 1990 schmerzhaft aufgearbeitet wird.

Wirtschaft:
Nur 23% der Landfläche sind landwirtschaftlich nutzbar, in Mittel- und Südchile werden für den Export Obst, für den Eigenbedarf Getreide( Weizen und Mais) angebaut. Die Erträge der fischreichen Gewässer gehen vorwiegend in den Export. Die Industrie verarbeitet vor allem Nahrungsmittel( Fischmehl, Fischkonserven). Chile ist der grösste Kupferexporteur der Welt( 40 % der Aussenwirtschaft) Über die Hälfte des BSP entfällt auf den Handels- und Dienstleistungsbereich.

(Lit.: Neuer Großer Atlas der Welt, Serges Medien 1997)
 

Chile- Der kleine Süden. Reiseimpressionen aus Oktober /November 2001

21.10.2001: Abreise Düsseldorf und Ankunft Santiago de Chile

Um 01:45 Uhr rappelt der Wecker. Auf geht's nach Santiago . Ab jetzt 30 Stunden nonstop auf den Beinen. Air France Zubringer in Düsseldorf leicht verspätet, aber sonst OK und das Personal freundlich. In Paris sind die Sicherheitsbestimmungen nach den USA Attentaten verschärft, aber zu ertragen. Im Flieger sitzen wir dann aber völlig unnötigerweise 1,5 Stunden rum und warten auf irgendwas. Erklärung gibt's leider keine. Der Flug nach Santiago ist problemlos. Air France diesmal mit freundlichem Personal und gutem  und ausreichendem Essen. Gegen 21:40 Ortszeit landen wir nach insgesamt 16 Stunden Flug in Santiago de Chile. Nur leider unsere Rucksäcke nicht. Nach 45 Minuten vergeblichem Warten am Band ahnen wir und wohl weitere ca. 50 Reisende aus Europa, das das Gepäck wohl nicht mitgekommen ist. Und richtig. Die verspätete Ansage bittet uns zu einem Schalter. Aha, alles durch eine technische Panne in Paris liegengeblieben. In drei Tagen kommt unser Gepäck nach. Wir hören erste laute Proteste im europäischem Sprachengewirr. Aber was soll die Aufregung. Ist nicht mehr zu ändern. Eine nette Senora verteilt an die Frauen Hygienepakete.( Zahnbürste, Zahnpasta, T-Shirt, Binden, Seife....) Alles was Frau kurzfristig so braucht. Männer gehen leer aus; müssen dreckig ins Bett. Tja und dann gibt's noch die Info , am nächsten Morgen zum Air France Büro dackeln und einen Scheck abholen, so quasi als Entschädigung oder um sich kurzfristig mit Klamotten einzudecken. Wir eilen jetzt aber schnell per Bus und Taxi in das uns so vertraute und stets gleich gute City Hotel, in unmittelbarer Umgebung des Plaza de Armas. Ü/F für 29 Dollar für beide zusammen wohlgemerkt. Preis/Leistung super wie immer. An der Rezeption ein freundlicher Empfang. Man kennt uns schon. Das Zimmer wie immer sauber, gepflegt, etwas altmodisch und sehr geräumig. Birgit testet das Air France Hygienepaket und gibt mir auch etwas Zahnpasta ab. Danach schlafen wir fest.

22.10.2001 Santiago. Der Air France Entschädigungsscheck, der Unterhosenkauf und der alte Stadtteil Vega im Herzen Santiagos

Wie gewohnt wecken uns morgens um 06:00 Uhr im City Hotel die ersten Busse, die durch die Compania donnern.  Nach dem Frühstück kämpfen wir uns per U-Bahn zum Air France Büro, das doch sehr weit ausserhalb liegt. Uns erwarten bereits etliche Mitleidende, die zunächst geduldig von einer Sachbearbeiterin abgefertigt werden. Als sich das ganze dann aber zu einer Tagesveranstaltung auswächst, wird unter Protest der Personaleinsatz erhöht. Jeder kriegt 110 Dollar. Bei dem Dollarkurs also etwa 240,00 DM. Also ab zum shoppen. T-Shirts, Unterhosen, Socken, Shampoo. Jeder von uns gibt ca. 20 Dollar aus. Bleiben knapp 100 Dollar übrig. Ein gutes Geschäft, aber viel Rennerei und Unterhosenkauf in Santiago ist auch nicht grad die reinste Freude, denn entgegen dem sonstigen chilenischen Chic gibt`s hier viel Feinripp(*grr*).Nachmittags ein Abstecher in das uns bislang verborgen gebliebene Santiago, den alten Stadtteil Vega.

Hier leben die armen Leute Santiagos in einem der ursprünglichsten Viertel. Häuser mit wundervollen Fassaden wechseln sich ab mit runtergekommenen Bruchbuden. Und rundherum ist überall Markt. Jeder verkauft irgendwas, um zu überleben. Wir sprechen mit einem der "Dorfältesten", der uns die Geschichte des Stadtteils erzählt. Über das ungewohnte Interesse der Gringos überrascht, erhält Birgit einen Handkuss, mit der Bemerkung, dass es ihm eine Ehre sei, einer Senora etwas über das Leben der einfachen Leute in Santiago zu erzählen. Abends sind wir nach dem Essen in der Bar des City Hotels. Hier ist alles offensichtlich wie vor 50 Jahren. Das Ambiente stilvoll, die Ober korrekt. Wir bestellen zwei Pisco Sour, unser Lieblingsgetränk. Wir sind die einzigen Gäste heute und auch die nächsten Tage. Erst am Ende unseres Trips zwei Wochen später erwacht die Bar zu altem Glanz und ist wieder bevölkert. Also wer Bars mit Ambiente liebt, ab zur Compania, Nähe Plaza de Armas, Bar City Hotel.

23.10.2001: Die vergessenen Fischer von Horcon

 Da wir noch auf unser Gepäck warten müssen, verzögert sich unser Trip in Richtung Süden und so starten wir einen Ausflug nach Horcon. Den kleinen Fischerort haben wir in einer Broschüre in Santiago entdeckt. Ca. drei Stunden mit dem Bus Richtung Meer nach Norden über Vina del Mar und Valparaiso. Nicht grad schön die Anreise durch die Zentren oberhalb Santiagos. Später hässliche Industrieanlagen in einer unattraktiven Landschaft. Oh, je das war wohl nix. Aber schliesslich unvermittelt, führt die Strasse steil bergab. Offensichtlich geht's jetzt zum Meer runter. Ein kleines Fischerörtchen taucht auf. Horcon. Oh Mann, hier ist ja der Hund verfroren.  Einige wenige völlig planlos hochgezogene Touristenhochhäuser  abseits des Ortes künden davon, dass hier in der Hochsaison mehr los ist.

 Der Ort selbst: Kleine Fischerhäuschen mit einem etwas morbiden Charme. Unten am Strand ist alles voller Fischer. Die Frauen produzieren Netze, die Männer sind auf Booten draussen oder kommen grade wieder. Die Boote werden , und das ist absolut unglaublich, von einem Pferdegespann aus seichtem Wasser mit 2 PS an Land gezogen. 

Hier müssen wir einen Tag bleiben, Birgit kundschaftet eine Unterkunft für 10 Dollar aus, etwas muffig, aber sauber und genialer Blick aufs Meer. Ein Spaziergang entlang der Promenade bei herrlichem Wetter. Absolut nix los, aber der Ort hat was . Ganz schwer zu vermitteln. Wir setzen uns auf einen Stein an der Promenade. Es gibt einige Verrückte hier, das ist unzweifelhaft, aber woanders gibts die auch. Abend gibt's frischen Fisch im Restaurant St. Clara. Super Blick aufs Meer. Anschliessend noch im Hellen ab ins Bett, bisschen unheimlich ist hier alles.

24.10.2001: Abschied von Horcon/Die rote Rose/Rückkehr in die Welt
Irgendwie passt das. Es ist kalt und regnet, wir marschieren noch mal zum Strand. Photoshooting. Wir bleiben nicht unbeobachtet. Ein Fischer steckt Birgit in einem von mir unbeobachteten Moment eine rote Rose zu, wünscht ihr viel Glück für ihr weiteres Leben. Mein Gott, wo hat er die Rose so schnell her??  Aber noch mal. Wer in der Nähe ist: Guckt euch diesen Ort und die Menschen unbedingt an. 
Jetzt aber zackig zurück in die Welt, nach Santiago. Überraschung. Unser Gepäck ist da. Doch einen Tag früher als geplant. Endlich wieder rasieren.  Abends ordern wir für den nächsten Abend ein Nachtbusticket bei Turbus. Salon Cama für 50 DM für 8 Stunden Fahrt nach Temuco. Man gönnt sich ja sonst nix. Im City Hotel ist zum Tagesausklang bei Pisco Sour gottseidank wieder alles beim alten.

25.10.2001 Santiago/ Unbekannte Stadtteile/ Abreise nach Temuco
In Santiago ist doch etwas überraschend der Himmel total bewölkt und es ist ziemlich frisch bei 14 Grad. Wirklich ungewöhnlich, aber es ist auch noch Oktober und damit Frühjahr. Genau richtig für ausgiebige Photospaziergänge durch einige Barrios(Stadtteile). Das Barrio Paris/Londres mit völlig unüblichen kurvigen Strassenzügen und der ältesten Kirche Santiagos San Francisco. Die Kirche in dieser provinziellen Umgebung steht provokativ neben einem Glaspalast der Neuzeit.

Das Barrio Concha y Toro sieht sehr verlassen aus und hat dabei einen ganz eigentümlichen Charme. Vieles soll hier an Paris erinnern. Ich kann das schlecht beurteilen.

Hier wie auch im Barrio Brasil tummelt sich in alten Häusern und engen Strassen viel junges Volk; Studenten und Schüler. Schliesslich noch der berühmte Hügel mitten in Santiago, der "Cerro Santa Lucia". Viele neue Eindrücke aus der Metropole Santiago. Abend dann ab zu Turbus. Der Salon Cama Bus wirklich komfortabel mit Liegesitzen. Aber vorm Schlafen gibt's hier erst mal Bingo. Wirklich bequem der Bus. Wir schlafen von 23 bis morgens um 6 Uhr ziemlich fest. Kaffeeduft weckt uns. Noch bevor der Kaffe getrunken ist, sind wir am Bus Terminal in Temuco angekommen. Im Terminal Zähne putzen. Der Tag kann beginnen.

26.10.2001: Temuco/Preisvergleiche lohnen sich/ Der Indiomarkt

Morgens um 06:30 im menschenleeren Temuco. Wir haben uns mögliche Quartiere schon im Tur-Tel (Span. Reiseführer) ausgeguckt, aber zunächst chauffiert uns ein Taximann zu einer ihm bekannten "guten" Adresse. Na ja, diese Vermittlungen taugen selten. Auch jetzt erwartet uns die letzte Bruchbude. Und der Gipfel, die Senora will 20 Dollar. Auf unseren heftigen Einwand nur die Antwort, es sei so teuer in Temuco. Wir suchen selbst und finden nicht weit weg das Hotel Chapelco. Zentral, grosses Zimmer, gemütliches Haus,  sauber für 21 Dollar incl. FRühstück. Na bitte. Der erste Rundgang in Temuco bei strahlendem Wetter um die 18 Grad zu einem der grössten Indiomärkte in Chile. Hier tobt das Leben. Gerüche und Bilder ohne Ende. Das Photographieren ist nicht ganz leicht und nur mit Zustimmung der Leute. Mir gelingen keine wirklich guten Bilder hier. Temuco selbst ist  die einzige Enttäuschung dieser Reise. Hier fehlt jedes Flair. Dazu passt, dass es ab 14:00 Uhr pausenlos regnet, so das es beim shoppen und etwas Internetcafe bleibt. Für den nächst morgen buchen wir die Busfahrt in die Seeregion. Erstes Ziel ist Curacautin.

27.10.2201:  Curacautin/ Malalcahuello 

Vom Terminal Rural in Temuco sind es 1,5 Stunden  mit dem Bus nach Curacautin. Ein nettes Örtchen auf ca. 400m. Man sieht schon die Berge und Vulkane der Seenregion , aber zum wandern oder radeln ist das ganze noch zu weit weg. Also steigen wir in einen anderen Bus und fahren weitere 45 Minuten Richtung Malalcahuello. Hier in unmittelbarer Nähe des 3000 m hohen Volcan Lonquimay auf ca. 1000 m Höhe gibt es Idylle pur. Wir bekommen unser Privat Hotel, das in der Saison Hotel und Restaurant zugleich ist, jetzt aber vollkommen ausgestorben ist. Ein Holzhaus, in dem man jeden Schritt hört, aber wir sind ja allein und 8 Dollar zusammen ist auch nicht viel. Der Ort liegt in einem Tal: Rundherum die Berge und der Vulkan Lonquimay. Wunderschön idyllisch:

Wir erkunden den kleinen Ort mit 400 Einwohnern schnell und finden auch postwendend den örtlichen "Supermercado", um uns für die nächsten zwei Tage für unser Privat Hotel mit dem nötigsten Lebensmitteln einzudecken. Der Laden mit der alten Besitzerin hat den Charme eines richtigen "Tante Emma" Ladens.


So geniessen wir abends selbstgekochte Spagetti mit einer leckeren Sauce und chilenischem Rotwein. In der Nacht ist es in unsrem Hotel kalt. Auch im Zimmer sind's wohl nicht mehr als 10 Grad.
Wir schlafen aber trotzdem ganz gut.

28.10.2001: Malalcahuello / Mountainbiken in der Umgebung

 Ein traumhafter Tag. Etwa 20 Grad, strahlendblauer Himmel. Zu unser Überraschung haben die Eltern unserer Vermieterin zwei Mountainbikes, die wir für 5 Dollar pro Stück leihen können. Nix dolles, aber verkehrs- und bergetaugglich. Wir fahren zunächst bergab Richtung Curacautin. Erstes Ziel die Wasserfälle von "Salto de la Princesa". Nicht ganz so spektakulär , aber auf dem Weg dorthin gibt es bereits einige attraktive Photomotive.

Weiter geht es auf der Strecke Richtung Manzana zu dem gleichnamigen Hotel mit den Thermalquellen. Wer einige Dollar übrig hat, kann hier in waldreicher Umgebung einen Tag total relaxen. Wie gesagt, 90 Dollar einstecken. Es geht nun immer steiler bergab Richtung Curacautin bis zu den Wasserfällen "Salto del India". Ein riesiger spektakulärer Wasserfall mit einem schönen Wanderweg für 500 Peseten. das ist OK. Nach Curacautin sind s doch noch 14 km und so entschliessen wir uns mittags gegen 13 Uhr zur Rückfahrt. Nun geht es aber zur Sache. Steil bergauf. So richtig was für Bergziegen. Gute zwei Stunden brauchen wir für die 15 km zurück und dabei sind mal eben 600 Höhenmeter zu überwinden. Kaputt, aber total begeistert landen wir wieder in Malacahuello.  Pünktlich zum späten Nachmittag dann auch ordentliche Regenschauer. Uns störte es nicht.

29.10.2001: Von Mallalcahuello über Lonquimay nach Mellipeuco

Das Wetter wird bei 23 Grad und Sonne immer besser. Wir wollen aber weiter Richtung Kordilleren nach Lonquimay durch den längsten Tunnel Südamerikas, den Las Raices, knapp 4,5 km lang. Eine Röhre, wie sie in Europa wohl nicht einmal zur Kanalisation  genutzt würde. Kein Licht, nicht asphaltiert, das Schmelzwasser tropft von oben eine Fahrrinne, in die der Bus so grade reinpasst. Ich muss gestehen, dass wir sehr froh waren, nach etwa 11 Minuten da raus zu sein. Unglaublich. In Lonquimay dann die Info, dass der Pass Richtung Mellipeuco über Icalma jahreszeitbedingt noch für Busse gesperrt ist. Das ist schade. Also wieder zurück und wieder durch den Tunnel (oh gott). Über Mallalcahuello nach Temuco, schnell umsteigen in den Bus nach Mellipeuco. Alles etwas zeitaufwendig, insgesamt brauchen wir für ca. 30 km Luftlinie am Ende knappe 9 Stunden, aber nicht zu ändern. Richtung Mellipeuco rückt der Volacan LLaima immer näher. Ein gewaltiger 3000er. Mellipeuco liegt wunderschön , umgeben vom LLaima und anderen Bergen. Am frühen Abend kriegen wir eine Super Unterkunft. Hosteria HueTelen ziemlich am Ortsanfang für 20 Dollar. Geräumige Cabana mit Ofen, super sauber. Das Essen in der Anlage kocht die Senora selbst. Wir sind die einzigen Gäste jetzt noch und so kriegen wir unser phantastisches Abendessen exklusiv am Kamin zu einem supergünstigen Preis serviert.

 30.10.2001:  Mellipeuco /Parque Conguillio

 Was für ein perfekter Tag. Viel beschworen. Selten erlebt. Es ist 25 Grad warm, den ganzen Tag sonnig. Das Frühstück bei der Senora am Kamin ist genial. Wir machen mit Hector eine Tagestour im Jeep in den Conguillio Nationalpark. Ca. 25 km sind das durch eine verwegne Piste. Immer entlang dem mächtigen Volcan LLaima gelangen wir zunächst zur Laguna Verde und später zu der spektakulären Laguna "Arco Iris", die mit phantastischen Farben jeden Photofreund erfreut.

Die ca. 2stündige Anfahrt endet dann zunächst am Lago Coguillio. Hier lässt uns Hector raus und wir starten eine dreistündige wunderschöne Wanderung in die Berge bis zur Schneegrenze. Unterwegs gnadenlos schöne Aussichtspunkte auf den See, den Vulkan und den Nationalpark.


Oben einige Schneebälle zum Abkühlen und wieder bergab. Anstrengend, aber wunderschön die Wanderung. Hector holt uns pünktlich ab und bringt uns zurück nach Mellipeuco. Die ganze Tagestour im Jeep mit individueller Reisebegleitung für ca. 90,00 DM. Das war OK.

31.10.2001: Von Mellipeuco über Temuco nach Osorno

Ein sehr anstrengender Tag. Es ist sonnig, 25 Grad warm, aber im Bus hat man nicht viel von. Insgesamt 7 Stunden Busfahrt mit kurzem Umsteigestopp in Temuco. Zuletzt viel Autobahn und wir kommen gut voran. Osorno ist eine erstaunlich quirlige Stadt und mit deutlich mehr Flair als Temuco. Es ist alles sehr geballt und auch laut , aber nicht unangenehm. Wir finden nur mit Mühe in der Nähe des Terminals eine Unterkunft. Bei Heins für 14.000 Pts. also etwa 20 Dollar. Minizimmer, aber sehr sauber, gute Dusche, gutes Bett. Die Besitzer mit deutschen Vorfahren, wie ganz viele hier. Wir finden sogar noch eine Wäscherei. Schweizer, die uns die Klamotten bis zum nächsten Tag (Allerheiligen) für einen ordentlichen, aber verständlichen Aufschlag reinigen.

01.11.2001: Osorno
Das Wetter bleibt bei 25 Grad sonnig und spitze. In Sachen Veranstaltungen haben wir auch Glück. Alle 5 Jahre findet in Osorno eine riesige  Landwirtschaftsschau u.a. mit der Prämierung von Rindern und Pferden statt. Das ist natürlich das richtige für Birgit. Tausende von Leuten strömen dorthin und auch hier wieder viele hellhäutige ,z.Teil deutsch sprechende Chilenen.

Diese deutschstämmigen Chilenen haben in der Stadt noch zahlreiche andere Spuren hinterlassen. So z.b. die Grossfamilie Stückrath , die in der Zeit um 1860 hier in Osorno einige prächtige Villen erbaute, die heute z.Teil sehr gut erhalten, u.a. als italienische Pizzeria fungieren.

Stilgerecht statten wir nachmittags dem deutschen Friedhof zu Allerheiligen einen Besuch ab. Ausschliesslich deutsche Namen und auch hier sind die Besucher meistens hellhäutig und man hört gelegentlich auch Deutsch. Also Osorno hatten wir als Durchgangsstation unterschätzt. In der Stadt kann man jederzeit einen Tag einplanen, um das bunte Treiben in dieser quirligen, interessanten Stadt auf sich wirken zu lassen.

02.11.2001: Osorno-Frutilliar- Puerto Varas
In Osorno ist es bei 20 Grad noch sonnig, als wir den Bus in die Seenregion Richtung Frutilliar nehmen. Das Örtchen, direkt am Lago LLanquihue gelegen, wirkt jetzt ausserhalb der Saison verschlafen und wenig interessant. Das soll in der Hochsaison ganz anders sein. Also weiter nach Puerto Varas, das einstige Backpacker Paradies, in dem wir auch jetzt die ersten anderen Rucksackreisenden aus allen möglichen Ländern treffen. Die Cabanas "Trauco" am Ortsrand für  15 Dollar, geräumig, sauber mit eigener Küche,  aber doch etwas baufällig auf Stelzen gebaut Der Highlight abends in einer Stadt, die ähnlich wie Osorno an einigen Stellen  deutsch geprägt ist. Im Cafe Danes gibt es Kassler mit Sauerkraut und Püree. Klasse, wenn man seit 14 Tagen doch die nicht gerade besonders aufregende chilenische Küche hatte.


03.11.2001: Saltos de Petrohue- Lago Todos del santos
Trotz schlechter Wettervorhersagen haben wir wieder Glück. Als wir in den Bus Richtung Vulkan Osorno und Petrohue starten, sind es wieder 20 Grad und der Himmel klart langsam auf. Es geht aufwärts und immer den wirklich kraterförmigen  und noch reichlich schneebedeckten Vulkan Osorno fest im Blickfeld. Die Saltos de Petrohue erreichen wir nach 45 Minuten. Ein Wanderweg führt durch die phantastische Landschaft, die mit Stromschnellen durchsetzt und den Bergen und dem Vulkan im Hintergrund super Photoperspektiven  vermittelt.

Hier erstmals während unserer Tour so was wie ein grösseres Touri Aufkommen. Rentner aus Amiland und Australien  knipsen hier ebenfalls heftig. Anschliessend wandern wir entlang der Stromschnellen 6 km die Schotterpiste  bis zu dem malerischen Lago Todos del Santos. Hier geht's dann auch nur noch mit dem Boot weiter Richtung argentinische Grenze, die von hier nur noch einen Katzensprung entfernt ist. 

04.11.2001: Cochamo
Kurzfristig entscheiden wir uns in  das mittlerweile durch Fernsehreportagen bekannt gewordene Dörfchen Cochamo zu fahren. Eine 90 minütige Busfahrt von Puerto Varas durch wunderschöne Landschaften an dem Ausläufer des Pazifiks entlang. Cochamo sollte ursprünglich Ausgangspunkt der legendären Caretera Austral werden. Heute ist das kleine Dörfchen mit seiner wunderschönen Lage am Meer, der alten Kirche und der verträumten Atmosphäre ein Muss für jeden Touri, der sich in der Gegend aufhält. Wir wollen zwei Tage bleiben und suchen eine Unterkunft. Finden auch eine für 8 Dollar im "First  Class Grand Hotel" von Cochamo:

Die jetzt ca. 80 jährige Besitzerin hat es vor ca. 50 Jahren mit ihrem Mann gebaut und heute kommen gelegentlich Gäste in eines der zwei noch vermieteten Zimmer. Hier herrscht Luxus pur. Neben der Gemeinschaftsdusche muss man im Zimmer auf nichts verzichten.


Die Chefin selbst macht auch das Frühstück. Zum Essen geht man ins Nachbarhaus. Alles sehr familiär und überschaubar. Also im Ernst. Mal nicht so pingelig sein mit Komfort, dann wird man dort zufrieden sein. Nur das Bier der Senora bitte meiden. Ist schon bisschen älter und schmeckt leicht nach Mottenpulver. Aber sei's drum. Wir treffen bei unserer Dorferkundung den Luxemburger, der hier in der Gegend Trekkingtouren u.
ä. organisiert. Er nimmt uns mit zu dem sonntäglichen Spektakel am alten Flughafen. Hier finden Sommertags immer Pferderennen statt, bei denen es um vergleichsweise hohe Gewinnbeträge geht. Eine Familienveranstaltung pur, denn Kind und Kegel sind hier zugegen. Zum Abschluss noch ein Foto von der alten Holzkirche mit ihren wunderschönen Schindeln.

Abends beginnt es zu schütten und unsere weise Gastgeberin mahnt uns, für den nächsten Tag hier nichts zu planen, denn es soll weiterhin feste regnen. Ein Klassetip, wie sich am nächsten, total verregneten Morgen herausstellt und so planen wir erneut kurzfristig, unsere letzten zwei Tage auf der Insel Chiloe zu verbringen.

05.11.2001: Fahrt über Puerto Varas und Puerto Montt nach Chiloe (Castro)
Bei strömenden Regen geht es früh um acht Uhr zurück mit dem Bus Richtung Puerto Varas. Dort an der genialen Esso Tankstelle im Zentrum( mit Mini-Pizza, Getränken und sauberem Klo) kurzer Zwischenstopp. Es ist bewölkt, 15 Grad und während der gut dreistündigen Busfahrt nach Chiloe über Puerto Montt plästert es in Strömen. Von der 30 minütigen Überfahrt auf die Insel Chiloe sieht man gar nichts. Chiloe wirkt zunächst unspektakulär, später ist aber doch deutlich anderes Flair als auf dem Festland zu spüren. In Castro angekommen regnet es noch immer. Typisch, denken wir, das ist für Chiloe normal. Das Hostal Kolping, das wir im spanischen Reiseführer Tur Tel entdeckt haben, erweist sich mit 15.000 Pts also ca. 21 Dollar incl. Frühstück als Top Adresse. Super saubere Zimmer, geräumig, komfortables Bad und schöner Blick aufs Meer. Die beste Unterkunft, die wir in den drei Wochen hatten. Der erste Rundgang in Castro ist super. Die kleinen Häuschen auf Stelzen aneinandergereiht( Palafitos) sind natürlich was für Kameras. Ich beherrsche das Metier bekanntermassen nicht in dem Masse, wie es sein sollte.


Der krasse Gegensatz dann abends bei "Octavio" im Restaurant direkt am Meer. Ziemlich nobel der Laden. Aber das Essen absolut lecker und auch preislich absolut im Rahmen.


06.11.2001: Castro/kurzer Abstecher nach Chonchi
Morgens trauen wir unseren Augen nicht. Strahlender Sonnenschein auf Chiloe. Super. Es folgt  ein ausgiebiger Erkundungsgang durch die Stadt, in der doch ganz gut was los ist. Die Leute, mit deutlich mehr indianischem Einschlag wirken ärmer als auf dem Festland, aber sehr freundlich und zuvorkommend. Der Ort geprägt vom Wasser und den unzähligen kleinen Palafitos. Das Wetter ist nun bei 20 Grad schon sensationell gut für diese Jahrszeit wird uns von den Einheimischen bestätigt. Nachmittags ein kurzer 90 minütiger Abstecher mit dem Bus nach Chonchi. Ein total ödes Nest, hier ist wirklich überhaupt nix los und auch rein optisch ist das folgende Foto sehr typisch für den ganzen Ort.

Hier muss man nicht unbedingt gewesen sein. Zurück in Castro geniessen wir auf dem sonnendurchfluteten Plaza das herrliche Wetter. Abends essen wir im Restaurant Palafito, direkt am Meer. Also hier allenfalls unterer Durchschnitt, sicher nicht zu empfehlen.


07.11.2001: Castro/Rückfahrt nach Puerto Varas/Rückfahrt Santiago
Bei 23 Grad und blauem Himmel wird das Wetter für Chiloe nun schon aussergewöhnlich super. Wir geniessen die letzten zwei Stunden dort am Hafen auf einer Bank. Drei Stunden Rückfahrt nach Puerto Varas, auch hier ist das Wetter gut und wir gammeln auch dort am Hafen einfach nur in der Sonne. Noch schnell eine Pizza und dann ab zum Nachtbus mit Tas Choapa. Mit 14.000 Pts. also etwa 20 Dollar glatt um 30 % billiger als Tur Bus, die 21.000 Pts. wollten. Wo mag der Unterschied liegen. Wir haben es nachts schnell gemerkt. Platz zum liegen etwas weniger, no Problem, aber im Bus keine abgeschlossene Tür zur Fahrerkabine. Klar , die Männer am Steuer unterhalten sich nachts und wer vorne sitzt, hat eben Pech. Ausserdem keine gescheiten Vorhänge, so dass ständig Licht einfällt. Also, TurBus klar teurer, aber auch klar besser. Hier muss jeder selbst abwägen.


08.11.2001: Santiago
Wir kommen doch ziemlich platt morgens um 8 Uhr in Santiago an. Das Wetter nicht doll, also kurzes Frühstück , ab ins City Hotel und erst mal drei Stunden pennen. Anschliessend Internet, etwas  shoppen und letzte Spaziergänge noch mal zum Cerro und durch den Stadtpark.

Irgendwie ist die Luft raus. Wir hängen nur noch auf der Plaza ab, lassen es uns gut gehen und geniessen den Tag. Gegessen haben wir in der Nähe des Plazas  häufig in eine der unzähligen kleinen Fressbuden. Die Pizzeria Nicolas, in der es auch Hühnchenbrustfilet mit Pommes und Avocadosalat für wenig Geld gab, hat uns mit Abstand am besten gefallen. Abends dann unser klassischer Tagesausklang in der guten alten Bar des City Hotels. Endlich wieder Hochbetrieb, aber unser Tisch ist noch frei und so geniessen wir die urige Atmosphäre bei etlichen Pisco Sour.


09.11.2001: Santiago/Abflug/ Air France mit Selbstbedienung
Oh Mann. Einer der Piscos muss schlecht gewesen sein. Mit ordentlichem Brummschädel laufen wir durch die Stadt. So als wenn die Stadt uns den Abschied erleichtern möchte, ist es mit 13 Grad verdammt kühl und regnerisch in Santiago. Ganz ungewöhnlich. Abends am Flughafen läuft alles glatt. Auch der erste Teil des Fluges ist ok. Nach dem mitternächtlichen Abendessen wird das Licht ausgemacht. Das war's dann. Jo, wäre in Ordnung gewesen, wenn nach 8 oder neun Stunden das Licht wieder angegangen wäre. Aber nix. Auch kein Frühstück. Nichts. Ich erfahre durch Zufall , dass in den Gängen, jetzt O-Saft und kleine Käsebrote quasi als Imbiss für Selbstabholer bereitstehen. Ich versorge mich und Birgit reichlich. Andere kriegen das aber nicht mit und warten stundelang auf ein Frühstück. Etliche beschweren sich nun sehr laut und deutlich. Aber immer noch tut sich nichts. Es wird kein Licht gemacht. Erst eine Stunde vor der Landung. also nach geschlagenen 12 Stunden gibt's dann doch noch Licht und Frühstück. Tja, Air France. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Billiganbieter klar, aber zum wiederholten Male mit erheblichen Mängeln.

Fazit:
Der kleiner Süden mit Chiloe ein Trip, den so ganz viele nicht machen. Es lohnt sich aber. Die Seen und Vulkanregion rund um Temuco. Das wunderschöne und herrlich gelegene Cochamo und das ganz andere Chile auf der Insel Chiloe. Preis: 1300 DM für den Flug. 900 DM pro Nase für den Rest. 

Ende

 

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