Kreta    

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Reisebericht

Kreta, eine Woche Fahrradfahren und Wandern rund um Malia im  Kreta,  im  April/Mai 2003

Kleiner 7- tägiger Abstecher nach Griechenland. Absolutes Neuland für mich als Zypernfan. April/ Mai hält man es auf Kreta hitzemässig noch gut aus. Eine Woche, nur sonnig bei ca. 25 Grad. Die Gegend rund um Malia, sicher nicht die attraktivste Gegend Kretas, ganz klar. Tourihochburg. Fahrradtouren und Wandern u.a. nach Sissi, Milatos, Agios Nikolaos und Knossos.  Standort ist das sehr schön gelegene gehobene Mittelklassehotel Ikaros Village am Ortsrand von Malia, direkt am Strand. Auch auf Kreta gibt’s Berge.  Über 2000 m. Ich habe mich auf 400 Höhenmeter beschränkt. Auch das ist auf kurzen Entfernungen nicht ohne, aber alles mit durchschnittlicher Biker Kondition absolut kein Problem.


   

 

Kreta-" Erste Eindrücke mit dem Tourenrad rund um Malia "
Ein Reisebericht aus April/Mai 2003


 Diese Reise ist meiner Ma gewidmet, die kurz zuvor verstorben war.



28.04.2003, Abreise Flughafen Düsseldorf/ Ankunft Flughafen Heraklion

Zum ersten Male nach Griechenland. Zum  ersten Male mit Hapag Lloyd. Typischer Ferienflieger. Viele Familien mit kreischenden kleinen Kindern. Ich sehne mich sofort nach meinen „Rentnern“, mit denen ich meistens ins benachbarte Zypern fliege.  Der Flug in 2,5 Std. nach Heraklion.
Hier herrscht traditionsgemäß das totale Gewimmel. Nahezu 10 gleichzeitig gelandete Flieger aus Germany. Vier unbeschriftete Gepäckbänder. Schnell liegen die Nerven der ersten Erholungssuchenden blank. Am Ende kriegt wider erwarten jeder aber wieder seinen Koffer.
Es ist fast dunkel. Beim Transfer zum Hotel sehe ich noch bisschen Berge, Meer und paar Touri Orte. Nach 40 Minuten das Ikaros Village.
Am Rand von Malia. Doch erfreulich weit abseits vom Gewimmel, das jetzt hier schon herrscht. Das Ikaros Village , eine gehobene Mittelklasse Anlage direkt am Meer. Wer hier rummeckert, ist selber Schuld. Ich schaffe es noch so grad vor Toresschluss paar Reste am Buffet einzusammeln. Ein Pils und Metaxa. Ab in die Heia.


29.04.2003, Hotel- Meine ersten obligatorischen Spaziergänge  links und rechts der Anlage- Akklimatisierung
( 22 Grad, überwiegend sonnig )

Langsam angehen lassen. Es ist noch früh. Ich muss mich erst wieder an Metaxa gewöhnen, der Schädel brummt mir gewaltig. Also ab an den Strand und los marschiert. Hier noch die Spuren der vergangen Wetter Schmuddelwoche. Alles voller Algen. Sturmschäden. Überall sind Helfer dabei, aufzuräumen. Die Saison geht nun los. Einige Anlagen sind aber noch geschlossen. Am Meer entlang Richtung Nikolaos. Nix attraktives, aber was soll's. Es ist angenehm warm. Ein laues Lüftchen weht. Akklimatisieren , nennt man das wohl.
Mittags wieder in der Anlage. Der Pool hat Badewannentemperatur. Bisschen abhängen. Die letzen Wochen haben arg an meiner Psyche gezerrt. Ich bin noch lange nicht wieder  auf Kurs. Also noch mal Spaziergang zur anderen Seite. Richtung Chernosissos. Das „Ballermannzentrum“  Kretas. Nun, das muss ich natürlich nicht haben.
Gut ist, ich hab ein Fahrradverleih entdeckt. Eigentlich wollte ich ja nur abhängen. Aber kann ich das überhaupt??
Abends ein super Buffet. Wirklich absolut gehobene Mittelklasse. Hier findet wirklich jeder das passende in reichlicher Auswahl. Klasse.

In der Anlage den ganzen Tag über „Softanimation“, wie das in Fachkreisen wohl heißt. Nicht laut, nicht aufdringlich. Mitmachangebote halt. Das ist OK. Die Kiddies singen abends kräftig was von „fliegenden Kängurus“, als ich meinen  Tagesreport zu Papier bringe.


 
30.04.2003, Malia- Minoischer Palast of Malia- Sissi- Milatos-  Cave of Milatos-retour
( ca. 30 km, 5 Stunden, ca. 300 Höhenmeter nach Cave of Milatos, bisschen Kraxeln, ansonsten locker.. Ca. 24 Grad, sonnig)

Nein, nur am Pool  in der Sonne rumgammeln, kann ich nicht, logo. Also ab aufs Rad. 4 Euro für ein gutes Tourenrad ist ok. Der Weg zum Minoischen Palast ist ein Katzensprung. 4km durch das Touri Gebiet. Morgens um 9:30 ist kaum was los.  Die Ausgrabungen sind wirklich beachtenswert und auch für Laien sehr beeindruckend. Auch anhand der nachgebauten Modelle in einem Extra Raum kann man das ganze sehr gut nachvollziehen. Säulen, Gräber, riesige Tonvasen....super gut erhalten.

Der Rundgang hier, ich brauche ca. eine gute Stunde. Besonders Interessierte können hier locker einen ganzen Vormittag einplanen. Weiter geht’s Richtung Sissi und Milatos. Der alte Dorfkern von Sissi durchaus noch sehenswert, der Rest neue Touriansiedlungen, z.Teil potthässlich. Einige km weiter der nette Ort Milatos. Paar nette Photomotive, alte Steinhäuser mit wunderschönem Blumenschmuck.
 Durch den Ort weiter nach Milatos Cave. Fast nirgendwo in Touriführern zu entdecken. Mir unbegreiflich.  Nach einer ganz ordentlichen Kraxelei auf ca. 300 Höhenmeter findet sich hier eine historische Höhle,  abseits der Touriattraktionen.

 Zwei junge Burschen bewirtschaften das ganze offensichtlich in einer Art „griechischer Ich-AG“. Ein Bursche sitzt in einem kleinen umgebauten Bauwagen, mit Diesel Generator. Er verkauft paar Getränke, Süßigkeiten etc...und  ,das ist klasse, hier liegt eine Info Broschüre zu der Höhle aus. Die Haupteinnahmequelle ist jedoch das Vermieten von Taschenlampen(2 Euro), die man für das Betreten der Höhle auch zwingend mitnehmen sollte, denn beleuchtet ist da nix. Der andere Mann kümmert sich um die Aussenanlagen, die Zuwegung usw.... Die beiden sind schwer sauer auf die Behörden und die Mitarbeiter der Archäologischen Abteilung Kretas. Man kümmert sich staaatlicherseits einfach nicht. Immerhin trug sich hier 1823, während der türkischen Okkupation, eine wirkliche Tragödie zu.  Ca. 3500 Menschen, die aus Angst vor den Besatzern in der Höhle zuflucht gesucht hatten, wurden ausgeräuchert und bei der Flucht aus der Höhle umgebracht oder versklavt. Zurück zur Anlage.
Der Rest des Tages nachmittags ist „harte Liegearbeit“ am Pool, wobei das Wasser nun angenehme Temperaturen aufweist.

 
01.05.2003, Malia- Agios Nikolaos-Malia
( ca. 55 km, 5,5 Stunden, von Malia zunächst 13 km fast nur bergauf, aber gemäßigt, ca. 25 Grad, sonnig)
 
Die deutsche Radverleiherin sagte mir: „Der Weg nach Nikolaos-No problem, schöne Strasse, bisschen durch die Berge. HMMM, geht das mit einem Tourenrad? Jo, es ging, aber so ganz easy war die Tour dann doch nicht. Ausgeschildert ist Agios Nikolaos von Malia mit ca. 27 km pro Weg. Ich fahre die Hauptstrasse, auf der viel Platz für Radler auf dem Seitenstreifen ist. Es geht gemäßigt, aber ständig bergauf. Nach ca. 5 km die Pilgerkirche von Silasia. Heute am Feiertag ist da richtig was los. Ein Belegphoto und weiter. Weiter schön bergauf. Bin gut im Tritt. Nach 6 km ein Tunnel. Oh, eine schmale Röhre mit einem winzigen Randstreifen und.....*schluck* unbeleuchtet. „Für Fußgänger und Tiere gesperrt“- steht auf dem Schild... Ich hab kein Licht am Rad. Kurzer Blick nach hinten- Keine LKWs, also los im Affenzahn. Der Randstreifen rutschig, Müll, egal, weiter, die 278(?)m pack ich locker. Neben mir donnern jetzt haarscharf Busse vorbei. Uff. Geschafft. Und,  zur Belohnung geht’s  nun fast nur noch bergab Richtung Nikolaos.  Vorbei an Neapolis und Limnes. Nix besonderes, sagt der Reiseführer, also hurtig dran vorbeigeradelt. In Nikolaos geht’s steil abwärts zum Hafen. Nettes Ambiente. Der Hafen und alles roundabout eine einzige Promenade. Hier wird flaniert. Nette Lokale, einige davon sehr schön im kretischen Stil. Vor dem Hafen die wirklich malerische Mirabello Bucht. Der Strand hier, eine Miniaturausgabe , aber nicht schlecht. Viele Touris nehmen den kleinen Strand in Kauf, um  das Flair von Agios Nikolaos genießen zu können. Mein Eindruck auf den ersten Blick: Ein ganz netter Urlaubsstandort.

ich halte mich aber, wie immer, nicht lange auf, denn es geht ja wieder retour. Und das ist nicht ganz ohne. Aus dem Ort raus ne ordentliche Kraxelei, bis man wieder halbwegs Höhe gewonnen hat. Aber auch der Rest bis zum Tunnel bei ordentlichem Gegenwind kein Pappenstiel. Aber das Wetter ist weiterhin super; von daher alles ok. Endlich wieder die Tunnelröhre. Der Rest ist Schussfahrt in gemäßigter Form zurück zum Hotel an den Pool. Allmählich spüre ich so was von Erholung. In der herrlichen Hotel Taverne an der Meeresklippe  lecker Gyros  zum „Kaffee“. Mir geht’s  nun blendend.
 

02.05.2003: Malia-Heraklion- Knossos- Malia
(ca. 80 km, -8 Stunden- eigentlich locker zu fahren, paar einfache Steigungen, aber Grundkondition erforderlich. 24 Grad,  sonnig.

Ja genau, das Motto meiner Touren bleibt ganz eindeutig-
à Der Weg ist das Ziel.
Und so bekenne ich mich hier, one more time, als Kulturbanause. Also klar, Knossos, die sagenumwobenen Paläste des Königs Minos bzw. die teilweise rekonstruierten Teile nötigen mir natürlich Respekt ab. Eine gewaltige Anlage, zweifelsfrei. Für mich war sie aber lediglich Ziel. Und ich vermute mal bisschen provokant, den meisten der täglich Tausenden von Besuchern hier geht es ähnlich. Wie das halt mit Touri Pflichtprogrammen so ist.  Aber der Reihe nach.
Die Fahrt mit dem Tourenrad von Malia nach Knossos ist für den normalen Biker mit einer soliden Grundkondition überhaupt kein Problem. Jedenfalls Anfang Mai nicht, wenngleich die Temperaturen morgens um 9 Uhr beim Start schon ordentlich  über 20 Grad sind. Man kann fast während der gesamten 40 km  wählen, ob man auf der Main Road(E 75) oder der fast überall noch erhaltenen „Old road“ fahren will. Vorteil auf der Main Road: Man hat auf dem Seitenstreifen sehr viel Platz, fährt zweifellos die kürzere Strecke. Die Old road führt oft wesentlich näher am Meer entlang, ist landschaftlich schöner, vor allem leiser, dafür knallen die gelegentlich passierenden Busse oder LKWs nur äußerst knapp neben einem her.  Einen Besuch von Heraklion schenk ich mir. Schon der äußere Eindruck ist nicht sehr vielversprechend und da auch die meisten Reiseführer ähnliches melden, fahre ich an der Stadt vorbei Richtung Knossos.  Aber, halt, ein Hinweis noch. Aus Malia kommend ist in Heraklion Knossos nicht ausgeschildert, oder war ich total blind!!???. Also aufgepasst, ich hab ne gute halbe Stunde gebraucht, die richtige Abfahrt zu finden. Also, Knossos hab ich  natürlich besucht. Paar Photos, der obligatorische Rundgang, gut eine Stunde. Klarer Fall.

 Da kann man auch mehr draus machen, wer Spaß dran hat. Raus , gegen 14 Uhr. Hunger. Die Tourischuppen direkt am Eingang ignorier ich natürlich. Den Rückweg auf der Knossos Road nach Heraklion suche ich nach einer richtigen Gyros Bude. Kann doch nicht so schwer sein in Griechenland ;-)
Und, super... ich habe sie gefunden. Auf halbem Wege eine kleine unscheinbare Bude. Gyros im Pittateig mit Pommes und Tzaziki obendrauf. Genial. Super Lecker. 2 Euro. Die ganze Fahrt hat sich gelohnt. Bildungsbürger mögen mir diesen kleinen persönlichen Abstecher in die Abgründe des Banalen nachsehen. Klar, die Speisekarte dieses „5 Sterne Ladens“ hab ich natürlich auch mitgenommen. Habe sie zuhause meinem „Lieblings Griechen“ als Geschenk überreicht. Die Bude  zuhause heißt nämlich „Knossos“. Die Jungs kommen auch tatsächlich aus Kreta und haben sich über das Präsent mächtig gefreut...
Na ja,  nach der Rückkehr in Malia hat mir schon der Hintern nach 7 Stunden radeln weh getan. Also , das Rad abgeben. Morgen gibt’s ne Wanderung.

03.05.2003: Malia-Sissi Beach-Malia -
à>>Wanderung
ca. 14  km, mit bisschen Grundkondition überhaupt kein Problem,    ca. 5,5 Stunden, etliche Pausen,  27 Grad, sonnig)


Das  Wetter bleibt spitzenmäßig. Es wird jeden Tag wärmer. Und kein einziges Wölkchen am Himmel.
Der Weg am Meer entlang im Sand ist etwas mühselig.  Und besonders attraktiv sicher auch nicht. Und dann sind da noch , und das bereits um diese Uhrzeit (9:30), die „Türsteher“  und Sunbed Verleiher der einzelnen Anlagen.
„Good morning, my friend.....“”” Ätz.. Selbst Händeschütteln gehört zum Repertoire. Ich latsche natürlich unbeeindruckt weiter. Die Strände werden von Helfern jetzt zu Saisonbeginn auf Hochglanz poliert. Am Ende des Strandabschnittes wird es schwierig. Der Weg über die Klippen Richtung Sissi Beach ist zwar offensichtlich begehbar, aber eingezäunt. 

Also lasse ich mich auf dem Hinweg zunächst noch hier umleiten. Ich erreiche Sissi Beach also auf der Strasse. Den Ort Sissi hatte ich bereits mit dem Rad gesehen.  Sissi Beach , wenig attraktiv, mit einer ganz ätzenden, noch im Bau befindlichen Strandpromenade. Hier im Baulärm zu landen, muss bitter sein. Aber immer noch besser als im völlig überlaufenen Chersoniossos, paar Kilometer weg von Malia, was irgendwie stark „Ballermann“ Charakter hat. Also zurück. Diesmal über die Klippen, denn, die Umzäunung ist wohl nur für die hier wohnenden Schafe und Ziege gedacht. So, früher Nachmittag wieder in der Anlage. Hmm, Essen wär nicht verkehrt.  Die Taverne im Ikaros Village mit genialem Blick aufs Meer ist ideal. Der Chef dort(3. Chef insgesamt) spricht auffallend perfekt Deutsch. Klar, der Mann ist in  Heidelberg geboren, in Ludwigshafen zur Schule gegangen...son bisschen Dialekt wie unser dicker Altkanzler. Hat bis zum 15. Lebensjahr in Deutschland gelebt. Dann mit der ganzen Familie in die Heimat der Eltern. Im Winter, so erzählt er, fährt er jedes Jahr mit seinen Eltern nach Deutschland. Denn, er und noch viel mehr der Vater, haben oft Heimweh nach Deutschland. Der Vater besucht in Ludwigshafen dann sämtliche ehemaligen Arbeitskollegen von BASF in den alten Stanmmkneipen. Und Der 3. Chef besucht ehemalige Schulkollegen. Diese kommen dafür im Sommer nach Kreta. Ein Klasse Arrangement, wie ich finde.
Also, eine gute Story. Eine Gastarbeiter Familie, die sich den, für viele unerreichten Traum verwirklicht hat, ins Heimatland zurückzukehren, hat ständig Heimweh nach Deutschland.  So ist das mit der Migration.
 

04.05.2003: Abhängen- Fazit
Der traditionsreiche letzte Abhäng Tag.  Fazit. Nach einer allerersten Woche auf Kreta kann dies nur ein ganz grober Eindruck sein.
Also, 1 Woche bei TUI, HP im Ikaros Village, 659 Euro. Das ist OK.

 

Das Ikaros Village-à gehobene Mittelklasse. Wirklich sehr schöne Anlage abseits des Trubels von Malia.  Sehr schöner Sandstrand direkt vor der Tür. Essen hervorragend. Insgesamt: Note 1.
Die Umgebung  -
à Klar, der Norden, absolute Touri Hochburg. Die Küste ziemlich zugebaut, aber wenigstens keine Hochhäuser. Der Süden muss sicher wesentlich attraktiver von der Landschaft her sein.
Unternehmungen-
à Man kann natürlich alle möglichen Touren buchen. Wer individuell was machen will à es gibt zahlreiche Verleiher von Fahrrädern, Rollern....
In der Umgebung von Malia sind Pflichtbesuche die Paläste von Malia und natürlich Knossos.
Wetter--
à Besser konnte es nicht sein. 1 Woche Sonne, 25 Grad, kein Wölkchen am Himmel. Aber, ich hab Glück gehabt. Die Woche davor war saukalt, 13 Grad, mit Wind.......

Gesamteindruck-
à  1 Woche Kreta zum Kennenlernen im Ikaros Village ist absolut empfehlenswert.

ENDE

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