LITAUEN, DIE KURISCHE NEHRUNG
besuchte ich mit Birgit 7 Tage im Juni 2001.
Litauen, was wollt ihr da denn? Wo liegt denn das überhaupt? Da irgendwo im Norden bei Russland, oder??
Tja , solche und ähnliche Fragen haben wir vor unserer Reise häufiger gehört. Aber mal ehrlich, lieber Leser.
Wissen sie mehr über Litauen bzw. den litauischen Teil der Kurischen Nehrung? Hört sich evtl. nach
Erdkundeunterricht , so etwa 7. Klasse an, oder?
Ein berühmter Weltreisender, Wilhelm von Humboldt, schrieb 1807:
"Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, dass man sie eigentlich ebenso gut als Spanien und Italien
gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen
soll".
Dem können wir uns eigentlich nur uneingeschränkt anschliessen, nein, eigentlich doch nicht, denn Italien
kennen wir kaum, aber es ist schon wahr. Eine ganz phantastische Naturlandschaft. Aber der Reihe nach.

Die Fakten:
Fläche:
65200 qkm
Bevölkerung:
3,72 Millionen
Pro Kopf-Einkommen: 1350 US $
Hauptstadt:
Vilnius
Staatsform:
parlamentarische Republik
Sprache:
Litauisch( amtl.), Russisch
Währung:
1 Litas- 100 Centas
Naturraum:
Von der Ostsee bis zur weissrussischen Grenze
erstrecken sich weite Ebenen, Sumpfgebiete und dichte Wälder. Das
kühl-gemässigte Klima geht im Landesinnern in Kontinentalklima über.
Die unter Naturschutz stehende Kurische Nehrung, Nationalparks und die
Hauptstadt Vilnius sind sehenswerte Reiseziele.
Politik:
Das erste litauische Fürstentum erstreckte sich
bis zum Schwarzen Meer. Nach dem Anschluss an Polen im 16.-17. Jhr. kam
Litauen 1772 an Russland. Die 1918 gegründete Autonome Republik Litauen
wurde 1940 von der UdSSR annektiert. 1990 erklärte sich Litauen als
erste Republik der ehemaligen Sowjetunion unabhängig. In Kraft trat
die Unabhängigkeit am 29.07.1991
Wirtschaft:
Die Landwirtschaft trägt mit dem Anbau von Kartoffeln, Getreide und
Gemüse sowie der Viehwirtschaft 12% zum BSP bei. Litauen ist
rohstoffarm, ein entdecktes Erdölvorkommen in der Ostsee wird
erschlossen. Die breit gefächerte Industrie ( Textilien, Chemie,
Elektrotechnik) erwirtschaftet 60% des BSP
(Lit.: Neuer Großer Atlas der Welt, Serges Medien 1997)
Litauen- Die Kurische Nehrung. Ein Bericht zu einem Kurztrip aus Juni
2001.
02.06.2001,
Abreise Flughafen Hannover/ Ankunft Nida
Pünktlich
wie wir sind, haben wir uns 2 Stunden vor Abflug am Flughafen Hannover
eingefunden. Der Schalter zum Check ist auch angeschlagen, aber noch
geschlossen. Na, ja vielleicht sind wir ein bisschen früh. Oder Air
Lithuania ist besonders fix bei der Abfertigung, wer weiss. Ausser uns
in unmittelbarer Nähe , kein Touris zu sehen. Fünf Schalter weiter
stapeln sich Mallorca und Türkei Urlauber. Uns nähert sich vorsichtig
eine kleine ältere Dame, wir schätzen sie so um die 70." Junger
Mann, wollnse auch nach Wilna?" ÄH?, Ja sicher nach Litauen, wir
fliegen aber nur bis Palanga. Oha, die alte Dame ist sicher eine
Aussiedlerin, die, vor Jahren nach Deutschland ausgesiedelt, nun möglicherweise
das Land besucht, in dem sie vor der Ausreise lange gelebt hat. Wir
fragen aber nicht nach, um nicht unhöflich zu sein. Tja, das war`s dann
aber auch schon an Leuten, die sich dem Schalter nähern. Wir stehen
dort nun bereits 40 Minuten, also noch 1 Stunde und 20 Minuten bis zum
Abflug. " Sind wir denn richtig", wir schauen uns etwas ungläubig
an. Eigentlich sind wir erfahrene Traveller, in aller Bescheidenheit.
Noch 70 Minuten zum Abflug. Ja, da nähern sich weitere Herrschaften, so
zwischen 50 und 80. Ein deutlich ostpreussischer Akzent ist zu hören,
denn es wird nicht gerade leise gesprochen. Auch die Klamotten, mit
Verlaub, es ist nicht der neueste Chic . " Is des die Maschin nach
Wilna? "Ja sicher", sag ich, selbst überrascht über meine
klare Antwort, denn der Schalter ist 65 Minuten vor Abflug weiter
geschlossen. Allmählich dämmert uns was. Diese Leute, es werden wohl
insgesamt kaum 30 werden, wissen natürlich, dass so eine kleine
Maschine maximal 20 Minuten zum Einchecken braucht. Tja, wieder um eine
Erfahrung reicher. Und prompt, pünktlich eine Stunde vor Abflug wird
der Schalter geöffnet. Jetzt haben sich auch tatsächlich ca. 30 Leute
am Schalter versammelt. Wir senken das Durchschnittsalter gewaltig,
obwohl auch nicht mehr ganz frisch( Birgit wird mich für diesen Satz
wahrscheinlich erwürgen). Dann geht alles ganz schnell. Pünktlich um
18:00 Uhr geht's los. Kleine Propellermaschine, Platz für ca.50 Leute.
Gut zur Hälfte besetzt. Viel Beinfreiheit, Ein kleiner Imbiss.
Freundliches Personal. Ein ruhiger Flug. Es gibt nix zu meckern. Nach
gut 1,5 Stunden landen wir in Palanga (Litauen). Danach geht alles so
blitzschnell, wie ich es noch nie erlebt habe. Die Tür des Fliegers
geht auf. Wir steigen aus. Kein Bus zu sehen. Eine junge Dame winkt
freundlich und deutet an, ihr zu folgen. Aber bitte, no problem, die
ganze Truppe latscht im Gänsemarsch über den Flughafen ins
Abfertigungsgebäude. Ein kleiner Raum mit einem Mini Fliessband. Und
zack, da sind auch schon unsere Koffer. Zwei Schritte nach vorne,
Passkontrolle, Stempel. Fertig. Ausgang. Ein Mann steht dort mit unserem
Namensschild. Eine Minute später sitzen wir in einem alten VW Bulli.
Also ungelogen. Von der Landung bis zum Einstieg ins Auto 20 Minuten. In
jedem Fall ein persönlicher Weltrekord. Der Transfer über Palanga nach
Klaipeda (ehemals Memel). Es ist gegen 20 Uhr. Draussen regnets.
Ziemlich schlechte Sicht. Wir sehen viele Plattenbauten. Es geht auf die
Fähre, die uns auf die Nehrung bringen soll. Nach 15 Minuten sind wir
da. Viel Wald, Grün und eine Strasse, die fast durchgängig
schnurgerade Richtung Norden verläuft. Plötzlich, der Fahrer latscht
voll auf die Bremse. was ist los?
Vor uns quert Familie Wildschwein samt erheblichem
Nachwuchs die Strasse. Klasse. Toller Empfang. Wir kommen um 21:00 Uhr in unserem Hotel "Nidos
Smilte", dem ehemaligen " Hermann Blode Gasthof" in Nida
an.

Ein kleines bescheidenes Zimmer, sauber, mit einem nagelneuen
Bad und einer phantastischen Aussicht auf das Kurische Haff, soviel
können wir noch erkennen. Schnell noch an die Bar( Ausstattung etwa
Vorkriegszeit) und noch ein Bierchen zischen . Anschliessend fallen wir
todmüde ins Bett.
03.06.2001:
Der Reiseleiter, der Photograph und die erste Erkundungstour durch Nida
Entgegen
der Wetterprognosen ist es draussen überraschend heiter. So ca. 16
Grad, überwiegend sonnig, nachmittags etwas Regen. Also bleibt´s bei
unserer Planung. Fahrrad leihen und los. Im Hotel besorgt man uns eins.
Wir zahlen für die ganze Woche( 6 Tage) pro Person 100,00 DM. Das wird
mit Abstand die teuerste Investition in diesem Urlaub, aber die Fahrräder
mit 5 Gang Schaltung sind fast neu und wirklich OK. Ich muss gestehen,
wir haben im Ort nicht verglichen, denn in Nida gibt es draussen diverse
Möglichkeiten Fahrräder oder Mountainbikes zu leihen. Bevor es
losgeht, gibt's im Hotel aber noch Frühstück. Wir kommen in einen
Speisesaal, Ausstattung und Design so etwa Vorkriegszeit. Der Raum ist
mit ca. 60 Leuten leidlich gefüllt. Eine Reisegruppe mit älteren Herrschaften (so
55-80) beherrscht die Szenerie. Leute, in Ostpreussen geboren oder deren
Kinder? Geleitet wird die Truppe von einem kleinen, aber äußerst
resoluten und stimmgewaltigen Menschen so um die
70.
„Guten Morgen zusammen“, ruft der resolute Mann.
„Bevor wir in den wunderschönen Tag starten, das Morgengebet...“
Ei, uns stört das nicht, auch nicht das Lied „ Kein schöner Land“,
was im Anschluss durchaus gelungen von der ganzen Mannschaft vorgetragen
wird. “Wir werden uns heute die wunderschöne...., es gibt noch
einige Regieanweisungen an die Truppe. Das sich noch ca. 6
Einzelreisende in dem Saal befinden, stört die Gruppe nicht. Nochmal,
uns hat die Gruppe auch nicht gestört.
Das Frühstück. Es ist nicht der europäische Standard, das vorneweg.
Aber das ganz grosse Genörgel wäre auch fehl am Platze. Brot und
Kaffee (sehr stark) am Tisch. Der Rest in Buffetform( Wurst, Käse,
Marmelade, Honigpops o.ä., litauische Pfannekuchen, Spiegelei..) Wir
sind immer satt geworden und schlecht war es wirklich nicht.
Birgit sieht während des Frühstücks, wie ein älterer Mann am Rande des Saales zahlreiche
Photographien, Postkarten u.ä. zur Ansicht bereitstellt. Wir haben Glück.
Der Mann ist eine Berühmtheit hier. Hat vom Staat Litauen für seine
Kunst bereits höchste Lorbeeren geerntet. Auch wir sind begeistert über
die phantastischen Photographien der Nehrung. Wir erwerben einen kleinen
Bildband und erhalten als Dreingabe eine persönliche Widmung. Birgit
fachsimpelt noch etwas über Kunst und Photographie mit dem
sympathischen 70 Jährigen, der ganz gut deutsch spricht.
Dann aber radeln wir endlich los. Kommen aber nicht weit, denn nach 2-3
Minuten warten bereits die ersten spektakulären Photomotive auf uns.
Die ehemaligen Fischerhäuschen haben ein besonderes Flair.

Mit den
Gärten davor und dem Haff in Sichtweite wirken sie oft unwirklich
romantisch. Wir machen uns aber weiter auf zu der nächsten Attraktion
dieses Ortes bzw. der Kurischen Nehrung, den gewaltigen Sanddünen im
Süden von Nida. Die "Litauische Sahara" wird dieses Gebiet
nicht ohne Grund genannt und wer zu Fuss die " Hohe Düne"
erreicht und später im "Tal des Schweigens" spazieren geht,
der kann sich wirklich nicht des Eindrucks erwehren, in der Wüste zu
sein. Eine ganz und gar unwirkliche Szenerie, die in Worten überhaupt
nicht zu beschreiben ist. So hat es ausser uns noch zahlreiche andere
Touris hierhin verschlagen. Aber auch viele litauische Schulklassen
erhalten hier praxisnahen Erdkundeunterricht. Wir fahren mit dem Rad
zurück zur Hauptstrasse und fahren einfach mal Richtung russische
Grenze. Nach zwei Kilometern haben wir die Grenzanlage erreicht. Nix
spektakuläres. Wer rüber will, muss sich bereits im Vorfeld zu Hause
um ein Visum bei der russischen Botschaft bemühen, um den russischen
Teil der Nehrung oder das Gebiet um Kaliningrad( ehem. Königsberg) zu
besuchen. Also wieder zurück. Wir biegen ein paar hundert Meter weiter
rechts ab, um die Dünen von dieser Seite aus zu sehen. Das hat aber ein
litauischer Grenzer gesehen und er deutet uns sehr freundlich an, dass
wir dieses Niemandsland leider nicht betreten dürfen. Am Nachmittag beginnt es leider etwas zu regnen, so dass wir unseren weiten
Raderkundungen zunächst stoppen müssen. Abends beginnen wir mit
unserem Restaurant Test in Nida. Das "Seklycia" in der
Lotmiskio 1 direkt am Haff erweist sich als guter Tipp, den wir im
Vorfeld gelesen haben. Sehr schönes kleines Lokal, freundliches
Personal, schnell, gute Küche. Bleibt der Hinweis, dass wir hier auch
mit Abstand am meisten bezahlt haben( ca. 13 DM). Aber trotzdem, Note gut.
04.06.2001:
Radtour Nida- Preil - Perwalk-Negelnscher Berg- Nida
Der
erste Blick morgens aufs Haff verheisst nichts gutes. Der Himmel total
bedeckt und mehr als 13 Grad dürften es auch nicht sein. Wir müssen
aber erstmal Geld wechseln und ausserdem steht ja auch noch das „Frühstücksschauspiel“
der Reisegruppe an. Wieder wird kräftig gesungen.“ Dort wo wir
...?“. Die Leute singen in der Tat gut( so weit wir das als „Nichtsinger“
überhaupt beurteilen können.). Der Reiseleiter erteilt gewohnt forsche
Regieanweisungen für den Tag. In dieser Truppe hat alles noch seine
Ordnung.
Dann aber ab zum "Sparkassenkiosk", wie wir die kleine lustige
Holzhütte mitten im Zentrum von Nida nennen, in denen eine junge
Litauerin wohl vornehmlich Touri –Geld tauscht. In der Schlange hören
wir es jetzt deutlich. Viel ostpreussischer Dialekt, aber auch viele
Russen.
Das Wetter bleibt sehr kritisch. Dunkelste Wolken verheissen nichts
gutes.
Risiko. Wir starten zu unserer ersten richtigen Radtour. Vom Niddener
Ortsteil Skruzdyn, in dem unser Hotel und auch das Thomas Mann Haus
liegt( wir kommen später natürlich darauf zurück), geht es Richtung
Ortsteil Purwin. Wir bleiben auf einem alten Forstweg, der parallel zur
Nehrungsstrasse Richtung Preil führt. Er ist mit dem Fahrrad sehr
angenehm zu fahren. Allzu viele Leute haben sich heute nicht auf den Weg
gemacht und so fahren wir bei stark bedecktem Himmel offensichtlich ganz
allein heute hier herum. Es ist etwas gespenstisch. Wir fahren mitten
durch den Kiefernwald, Vogelstimmen, sonst nix. Irgendwann rechts ein
Hinweisschild zu einer alten Flugpiste, die die Sowjets hier in den
70igern angelegt haben, um den Tourismus anzukurbeln.( Lohnt sich überhaupt
nicht). Etwas weiter ein kleiner Waldweg, der uns rechts nahe ans Ufer
des „Bullwikschen Hakens“ bringt. Dies ist mit 3,6 km die breiteste
Stelle der Kurischen Nehrung. Am Ufer des Haffs viel Schilf.
Rohrpfeifer(?), Frösche. Wir sind mucksmäuschenstill. Was für eine
herrliche Naturlandschaft. Wir fahren zurück zum Forstweg Richtung
Preil und erreichen kurze Zeit später den Wetzekrugsberg, mit 67 m die
höchste Erhebung der Kurischen Nehrung. Abseits des Weges liegt die
mittlerweile bewachsene Sanddüne im dunkeln und durch das schlechte
Wetter wirkt sie noch mystischer. Im idyllischen Ort Preil liegen kleine
Fischerhäuschen, aufgereiht direkt am Haff. So ganz viele Leute leben
hier nicht, viele Häuser sind reine Ferienunterkünfte, einige Häuser
heruntergekommen und nicht mehr bewohnt. Hinter Preil der Karwaiteschen
Berg, der mit seinen 59 Metern bedenklich nah an dem Haffweg liegt.

Unter
dem Berg ist die jüngste Dorfstelle von Karwaiten(1797) begraben. Man
kann hier erahnen, mit welcher Naturgewalt die Wanderdünen im 17./18.
Jahrhundert ein Dorf nach dem anderen unter sich begraben haben, bevor
sie später durch systematische Bepflanzung in ihrem
"Vernichtungsfeldzug" gestoppt wurden. In Perwalk sind einige
ganz nett von Architekten restaurierte Fischerhäuser zu sehen,
ansonsten bietet der Ort nichts nennenswertes. Von hier aus biegt der
Weg scharf nach links ab, bevor man nach ca. 2 km die Nehrungsstrasse
erreicht. Auf der Nehrungsstrasse, 3 km nach Norden, stellen wir unsere
Räder an dem ersten Parkplatz ab. Vor uns das Dünengebiet des
Negelnschen Berges. Hier , wo sich heute Sanddünen türmen, liegt die jüngste
Dorfstelle des Ortes Negeln(1854) begraben. Von der Spitze der Düne hat
man einen phantastischen Blick auf die Negelnsche Bucht und den
Lidomhaken. Au, Mann, man sollte sich tatsächlich vor der Reise hierher
etwas mit der Entstehung und der Entwicklung der Nehrung beschäftigen,
sonst erschlagen einen die ganzen wichtigen Details. (Naturkundler bitte
ich an dieser Stelle schon mal um Nachsicht für meine sicher laien- und
hoffentlich nicht allzu fehlerhafte Darstellung der Naturgegebenheiten
der Nehrung.)
Getrübt wird das ganze jetzt nur durch den Regen, der sich von nun an
zu einem echten Dauerregen auswächst. Wir haben aber vorgesorgt und
packen unsere Regensachen aus. Auf der Hauptstrasse fahren wir nach Nida
im strömenden Regen zurück. Wahrlich keine Freude. Unterwegs aber noch
ein Lichtblick. Erneut treffen wir Familie Wildschwein samt Anhang am
Strassenrand. Eine Rentnerin ist auch bereits aus einem haltenden Bus
herausgeeilt und hat den Keiler bereits in Beschlag genommen. Der bleibt
erstaunlich gelassen und auch wir können problemlos Photos machen (wenn
auch aus etwas sicherer Entfernung). Nachmittag kommen wir voll durchnässt
am Hotel an.
Nach einer kurzen Verschnauf-oder besser Trockenpause gehen wir ins
Kulturzentrum mitten im Ort (Taikos 4), wo man recht günstig litauische
Spezialitäten essen kann. So komme ich zu den ersten "Ceppelinais"
, eine Art gefüllte Kartoffelklösse. Lecker, aber wie immer in der
litauischen Küche, sehr fettig zubereitet. (Da mussten sich unsere Mägen
in der Tat dran gewöhnen.). Im Kulturzentrum gab´s vor einem Jahr auch
mal kurzfristig ein Internetcafe, das hat sich aber wohl nicht gelohnt.
Abends dann im "Kursis" , ein kleines, einfaches Restaurant,
ebenfalls mitten im Zentrum, nur noch eine Kleinigkeit. Das Kursis ist
populär, weil billig. Kinder, Rentner, Schüler, alle die nicht viel
Geld haben oder nicht viel ausgeben wollen, essen hier einfach, aber
durchaus akzeptabel, wie wir selber getestet haben.
05.06.2001: Phototour durch das
sonnige Nina/ Wanderung durch das "Tal des Schweigens"
Am frühen Morgen reicht ein Blick aus dem Fenster. Blauer
Himmel und auch ein kurzer Gang vor die Tür macht deutlich. Bei blauem
Himmel und angenehmen Temperaturen ist Photoshooting rund um Nida
angesagt. Die Motive sind alle längst ausgeguckt. Jetzt heisst es nur
noch loszulegen. Fast gegenüber unserem Hotel die Kirche von Nida.
Direkt daneben der Friedhof mit den berühmten Kurenkreuzen.

Beide auf einer Anhöhe, von der ein
wunderschöner Blick durch die Kiefern auf das Haff möglich ist. Die
Fischerhäuschen in Niddenblau und all den anderen z.Teil sehr bunten
Farben wirken mit einem blauen Himmel als Hintergrund natürlich gleich
ganz anders. Wunderschön die Gärten rund um die Häuschen. Wir radeln
erneut zur "Hohen Düne" , am Südrand von Nida. Nun, bei
sonnigem Wetter haben wir uns einen Spaziergang in die "Litauische
Sahara" bzw. in das "Tal des Schweigens" vorgenommen.

Und
, in der Tat, ein unvergleichliches Erlebnis. Zwischen den riesigen Dünen
hat man den Eindruck, man sei in der Wüste. Sand, so weit das Auge
reicht. Eine sehr unwirkliche Szenerie. Wir nähern uns allmählich der
Staatsgrenze zu Russland, die hier mitten durch die Sandwüste verläuft.
Da sehen wir auch schon "STOP" Schilder. Sie sind eigentlich
dazu da, nicht weiter in das strenge Naturschutzgebiet der "Grabschter
Bucht" zu laufen. Also zurück. Ein längeres "Gespräch"
mit russischen Grenzern haben schon einige Wanderer hinter sich, die an
dieser Stelle allzu forsch weitermarschiert sind, so lesen wir im Reiseführer.
Also treten wir den Rückzug an. Der strahlendblaue Himmel, der Sand,
das Haff. Photomotive ohne Ende. Nach gut drei Stunden haben wir unseren
Spaziergang beendet und urplötzlich kommt Nebel auf. Gut getimet. Wir
radeln kurz zur Ostsee rüber. Hier scheint noch ein halbes Stündchen
die Sonne am herrlichen Strand. Dann aber zieht auch hier eine
unglaubliche Suppe rein. Ruck zuck fallen die Temperaturen um fünf
Grad. Als wir wieder im Ort ankommen sind wir tatsächlich total
durchgefroren. Schnell ins Kulturzentrum, eine heisse Suppe löffeln.
Aber so richtig warm wird's nicht mehr. Der Weg auf dem Rad zum Hotel,
kalt. Erst ein doppelter Metaxa abends an der Hotelbar hilft.
06.06.2001:
Fahrradtour von
Nida nach Juodkrante(
Schwarzort)
Eigentlich
wollten wir heute mit dem Rad nach Juodkrante. Gute 28 km , ca. 2
Stunden. Aber der Himmel ist total verhangen, höchstens 13 Grad.
Risiko. Ich setze mich ausnahmsweise gegen Birgit durch :-) und
behaupte dreist, das Wetter wird schon halten. Nach dem Frühstück
verabschiedet sich die grosse Reisetruppe mit grossem Hallo und von nun
an wird es im Hotel schlagartig ruhig. Als „Ersatz“ ist eine kleine
, etwa 8-köpfige, aber völlig unspektakuläre Gruppe eingetroffen. Im
Speisesaal herrscht nun gähnende Leere.
Obwohl wir nun bereits einmal schlechte Erfahrungen mit dem Wetter
gemacht haben, starten wir erneut trotz ungünstiger Vorzeichen zu
unserer nächsten Radtor. Zunächst der uns schon bekannte Weg von
Skruzdyn über den Niddener Ortsteil Purwin auf den Forstweg Richtung
Preil und Perwalk. Nach wie vor ist hier kein Mensch unterwegs. Auf der
Höhe Perwalk müssen wir auf die Nehrungsstrasse, um die letzten 9 km
nach Juodkrante auf der Hauptstrasse zu fahren. Langweilig, aber da
gibt's leider keine Alternative. Kurz vor Juodkrante hört Birgit was.
Stop. Linke Hand eine riesige Reiherkolonie(?). Hier treffen wir zwei
junge Touris( staun, staun). Das Wetter hält sich, in Juodkrante kommt
tatsächlich mittags die Sonne raus. Wir sind 2 Stunden gefahren. Erstes
Ziel in Juodkrante ist der Hexenberg.

100 Holzskulpturen aus der
Geschichte und Mythologie Litauens säumen einen wunderschönen
Rundwanderweg durch den Wald. Hier haben Künstler aus ganz Europa vor
Jahren grossartiges geschaffen. Horden von Schulklassen fallen auch
prompt hier ein. Aber, dies ist ein Muss für den ordentlichen Touri.
Unser nächstes Ziel ist das Villenviertel. Um die
Jahrhundertwende haben sich hier viele betuchte Deutsche Sommervillen
bauen lassen.

Heute sind sie zum Teil verfallen, andere werden
restauriert, wenige sind toll hergerichtet und z.B. als Hotel umgebaut.
Hier gibt es zahlreiche Motive für Photoexperten.
Ansonsten versucht Juodkrante mit einer riesigen , im Bau befindlichen Haffpromenade den
Anschluss an das touristisch führende Nida nicht vollständig zu
verlieren. Uns sieht das aber zu professionell aus. Der ursprüngliche,
und gerade in Nida häufig wunderschön, romantische
"Haffblick" geht hier doch verloren. Wir machen noch einen
kurzen Halt in einem netten Fischerhäuschen an der Strasse und stärken
uns mit einigen kleinen litauischen Spezialitäten. Das Wetter hat sich
gehalten, noch besser, es kommt mehr und mehr die Sonne durch. Abends in
Nida unser obligatorischer Restauranttest. Diesmal das "Povysniom".
Ein nettes kleines Fischerhäuschen in der Nagliu. Das Wetter ist gut .
Wir sitzen in einem wunderschönen Garten. Die Bedienung kann zwar kein
Deutsch, aber das macht nix. Wir bestellen Zander. Total lecker. In dem
Laden kocht "Muttern" selbst. Das sieht man und man schmeckt
es. Billig ist es obendrein (ca. 8 DM). Sehr zu empfehlen.
07.06.2001:
Sonnenbaden in Nida
an der Ostsee/ Die Ruhe am Haffufer:
Tatsächlich. Ein ganzer Tag Super Wetter in Nida. Ich schätze so 18-
21 Grad. Wolkenloser Himmel. Also ab aufs Rad und zur Ostsee.
Kilometerlanger, herrlicher Sandstrand. Sehr sauber. Wir hauen uns auf
die Decke. Buch raus. Was will man mehr.
Ausser uns ca. 50 Leute, die sich so im Laufe des Vormittags an
diesem Strandabschnitt einfinden. Einige (offensichtlich hartgesottene
Einheimische) springen sogar ins Meer. Ich bin nicht pingelig, aber bei
etwa 14 Grad, nein danke. Am frühen Nachmittag wird's uns dann doch zu
heiss. Also ab Richtung Haff. Wir suchen uns am Rand vom Ortsteil Purwin
ein stilles Plätzchen. Rohrteichpfeiffer (heissen die so?), Mücken ,
Frösche und sonst nur Ruhe. Ganz phantastisch. Apropos Mücken. Ein
derartiges Mückengewimmel wie hier in Nida und Umgebung haben wir noch
nie erlebt. An bestimmten Streckenabschnitten muss man den Mund strikt
geschlossen halten, sonst gibts eine „Nachspeise“ extra. Die Viecher
stechen nicht. Warum es jetzt und hier so viele sind, blieb uns rätselhaft.
Wir geniessen einfach nur die Aussicht und die Stille (trotz der Mücken).
Spätnachmittags vor´m "Kursis" in Nida (Der Ortsimbiss) ein
leckeres kaltes Rote Beete Süppchen. Muss man unbedingt probieren bei
warmer Witterung. Abend im "Bangomusa" in der Nagliu. Kleines
Restaurant im Fischerhäuschen. Guter Durchschnitt, alles in allem.
08.06.2001: Thomas Mann Haus bzw.
Museum / Hermann Blode Museum/Urbo Kalnas/Leuchtturm
Wettermässig bleibt es in Nida total unbeständig. Irgendwie
muss jetzt Tiefdruck sein. 13 Grad, dunstig. Wir fühlen uns wie
erschlagen, obwohl nicht verkatert und ausgeschlafen. Was nutzt das
jammern. Jetzt gibt's Kultur und Geschichte. Das Thomas Mann Haus liegt
von unserem Hotel nur einen Steinwurf entfernt.

Der
Literaturnobelpreisträger besuchte 1929 mit der Familie im Sommer die
Kurische Nehrung. Er war so begeistert, dass er sich in Nida auf dem
sog. "Schwiegermutterberg" ein Sommerhaus bauen liess. Direkt
am Haff mit einer herrlichen Aussicht.

Thomas
Mann verbrachte hier bis 1932 drei herrliche Sommer, bevor er Nazi
Deutschland den Rücken kehrte. Das Haus drohte zu verfallen, wurde dann
aber restauriert. Haute ist es Museum mit vielen Bildern,
Zeitungsausschnitten, Photos etc. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass
es sich hier im Sommer gut leben liess. Thomas Mann schrieb hier an
seinem Buch "Joseph und seine Brüder". Für 2 Litas Eintritt(1
DM) ist man dabei. Sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen.
Und noch mehr Kultur. In unserem Hotel Nidos Smilte, das ehemalige
"Hermann Blode Gästehaus", ein weiterer kleiner museumsähnlicher
Ausstellungsraum. Hermann Blode, in den 20/30iger Jahren der grosse Künstlersponsor
und Gastwirt, in dessen Haus sich das ganze Jahr über Künstler und
Prominente aus ganz Europa einfanden. Die Maler Beckmann und Corinth,
Schauspieler wie Rühmann, der Psychoanalytiker Siegmund Freud, um nur
einige Namen zu nennen. Vor allem viele Maler fanden sich ein, um hier
direkt am Haff das ganze Repertoire von phantastischen Motiven
umzusetzen. Auch hier viele alte Photos, Dokumente , halt
Zeitgeschichte. Wer sich für so was interessiert, der sollte auch hier
unbedingt hin. Eintritt über die Rezeption(2 Litas). Nachmittags hellt
es etwas auf und wir radeln etwas zum "Urbos Kalnas ", dem
Niddener Bärenberg hoch. Kein Problem. Am Leuchtturm einige Photos.
Hier oben sieht man schön, mit welchen Mitteln die einstige Düne zum Stoppen gebracht
wurde. Hier oben ist alles mit Krüppelkiefern übersät.

Abends
noch mal ein echter Insidertip fürs Essen. Im kleinen
Hotel Rasite, etwas zurückgelegen in der Nagliu. Wohl das beste Essen ,
das wir hatten. Sehr guter Fisch, leckeres Gemüse, frischer Salat.
Nette Bedienung. Nettes Ambiente im Fischerhaus. Preis etwa 10 DM.
Wirklich eine Empfehlung wert. Eigentlich mussten wir früh in die Heia,
denn der Abflug am nächsten Tag war für 7:20 Uhr anvisiert, was
bedeutet hätte, dass wir mitten in der Nacht hätten raus müssen. Jetzt
fliegen wir erst um 15:20 Uhr. Ist auch besser so.
09.06.2001: Ausklang/Abflug
So können wir ausschlafen, noch mal in Ruhe frühstücken. Die
Räder haben wir natürlich abgegeben, also zur Abwechslung mal ein
Spaziergang in den Ort. Das Wetter, ganz angenehm , heiter bis wolkig,
16 Grad, schön zum laufen. Mittags werden wir pünktlich zum Transfer
abgeholt. Diesmal haben wir auf der Überfahrt nach Klaipeda (Memel)
gutes Wetter und somit sind noch einige Photos fällig. Pünktlich um
15:00 bringt uns Air Lithuania zurück nach Hannover. Der Flieger
diesmal voll (60 Leute), offensichtlich fast alles Aussiedler, die auf
Heimaturlaub waren. Air Lithuania. Absolut OK. Viel Platz für die
Beine. Personal freundlich. Imbiss OK. Na ja, der Flug ist teuer, auch
pauschal kommt man hier unter 600,00 DM wohl selten weg. Aber es werden
ja auch keine Touristenhorden verfrachtet.

FAZIT: Ein ganz lohnenswerter Kurztrip
auf den litauischen Teil der Kurischen Nehrung. In einer Woche kann man
schon eine Menge machen. Vor allem lohnt es sich ein Rad zu leihen, auch
wenn's nicht so ganz billig ist. Man sieht viel mehr. Das Wetter war
nicht berauschend, aber das kann man sich nicht aussuchen. Es ist wohl
oft unbeständig. Im Sommer aber auch oft länger sonnig und warm.
Leute, die die Natur und Ruhe lieben , sind hier goldrichtig. In Litauen
ist gastronomiemässig noch nicht alles auf
"mitteleuropäischem Stand". Das ist aber kein Problem. Das
Hotel und das Zimmer waren sauber. Essen OK. So ein bisschen fehlt manchmal
noch das rechte Verständnis für das
Erbringen einer Dienstleistung. Aber das ist kein Vorwurf, sondern eher
eine Feststellung und schon gar kein wesentlicher Mangel.
Reiseveranstalter gibt's reichlich. Wir waren mit "DER TOUR"
da. Keine Probleme. Mehr als Ü/F würde ich auf keinen Fall empfehlen.
Man kann sonst gar nicht all die kleinen Lokale erproben, von denen es
in Nida reichlich gibt.
ENDE
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